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Mittwoch, 23. Mai 2018

SHAME live in Cologne

Location: YUCA, Köln
Date: 21.05.2018 
Support: RVG


"Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander." [Quelle: Lutherbibel] 

"Ein herzliches Willkommen in Köln an die zornigen jungen Menschen von der Insel, die zu Beginn des Jahres mit "
Songs of Praise," ein Debütalbum hinlegten, das die Messlatte für alle noch kommenden Alben in diesem Jahr verdammt hochlegt.


Kein Wunder also, dass deswegen mit sehr großer Vorfreude mein treuer Konzertbegleiter C. - in Begleitung der charmanten P. - und meine Wenigkeit bei bestem Wetter am Pfingstmontag, also am Tag, als der heilige Geist entsendet wurde, auf den Weg in einen kellergewölbeartigen dunklen Club sind, um die "Loblieder" dieser fünf jungen Briten zu empfangen.

Bevor die Briten loslegen dürfen, gibt es allerdings eine Vorband aus Australien zu hören. Das Quartett mit Frontfrau Romy nennt sich RVG (Romy Vager Group) und stammt aus Melbourne. Die Band veröffentlicht im Juli ihr Debütalbum "A Quality Of Mercy", welches mit Musik aufwartet, die man zwischen AltRock und PostPunk einordnen kann und die in erster Linie von der rauchigen und sehr markanten Stimme der Frontfrau lebt.

Live kann mich die Band nicht wirklich begeistern, denn das Songwriting ist eher mittelmäßig und bleibt wenig im Gedächtnis. Mein treuer Konzertbegleiter sieht das ganz genauso, wohingegen P. mutmaßt, dass wir die Band nur nicht gut finden, weil die Frontfrau nicht aussieht wie Ellie Rowsell - was natürlich völlig absurd ist!



Ziemlich pünktlich um 21 Uhr entern die Herren Eddie Green, Charlie Forbes, Josh Finerty, Sean Coyle-Smith und Charlie Steen die Bühne. Los geht es nach kurzer Ansage mit "Dust On Trial" und es geht wirklich sofort richtig los! Schon nach wenigen Sekunden hat Sänger Charlie Steen das Publikum an den Eiern (*der politischen Korrektheit wegen) und Eierstöcken - denn im ausverkauften Yuca sind durchaus auch eine stattliche Zahl an weiblichen Gästen - und zeigt, dass SHAME in erster Linie eine Liveband sind.

Im zarten Alter von 16 Jahren begann Steen mit dem Schreiben von Songs und sein allererster ("One Rizla") wurde Jahre später zum Hit ihres Debütalbums.

Aber Steen ist nicht nur ein verdammt guter Songwriter, sondern auch ein Frontmann, der diesen Namen verdient. Steen will Spaß auf der Bühne UND er will dem Publikum Spaß bereiten. Immer wieder fordert er die Zuschauer auf, näher zu rücken, zu tanzen und sich aktiv am Konzert zu beteiligen. Das kann nerven, tut es in diesem Falle aber nicht, denn Steen scheint der geborene Rock 'n' Roll Entertainer zu sein, der in seinen stärksten Momenten tatsächlich an die Punk-Legende Henry Rollins erinnert.

Bereits nach dem zweiten Stück ("Concrete") ist sein Oberkörper entblößt, denn es wird heißer im Yuca! Der Sound lässt etwas zu wünschen übrig, aber das spielt heute Abend eine absolut untergeordnete Rolle, denn hier und heute zählt einzig der Rock 'n' Roll-Funke, der wie bei einer Kettenreaktion überspringt und ALLES in Brand setzt.

Bereits Lied Nummer drei in diesem furiosen Ritt ist der Hit "One Rizla". Es brodelt! Herr Gott, dieser Typ ist gerade mal 20, aber er weiß genau was und wie er es zu tun hat! Fu**ing fantastic!



Bei seinen zum Teil noch sehr bubihaft aussehenden Mitstreitern hat man allerdings eher den Eindruck, als könnten sie es noch gar nicht richtig glauben, dass sie weit weg von Zuhause in einer fremden Stadt gerade ein Publikum ausrasten lassen – wahrscheinlich rufen sie noch heute Abend ihre Mütter an und erzählen wie geil der Auftritt war. Der Ersatzpapa, ist übrigens der nicht mehr ganz jugendliche Drummer der Vorband, der die Jungs auf der Bühne mit Bierchen versorgt und schmunzelnd neben der Bühne lehnt und dabei den Gesichtsausdruck eines stolzen Vaters trägt  ;-)

Aber neben aller Jugend sieht man doch auch, dass sich die Band, bei dem was sie tut, pudelwohl fühlt und dass sie schon ein paar Konzertchen auf dem Buckel hat.

Nachdem die Band zu Beginn ihrer Karriere als Support für die Slaves, Warpaint und später für GURR unterwegs war, spielt sie im Jahr 2017 mehr als 250 Konzerte. Das kann man sicher nur durchhalten, wenn man so viel Spaß bei der Arbeit hat wie diese fünf Jungs aus dem Londoner Stadtteil Brixton.

Gekonnt absolviert das Quintett die Songs aus ihrem Debütalbum und überrascht außerdem mit einem neuen Song, der entweder noch unbetitelt ist oder aber später mal "Untitled" heißen soll. Feine Nummer, die sich nahtlos in das perfekte Set einfügt.

Feststellung des Abends: Selten machen Songs mit sozialkritischen Botschaften soviel Spaß wie bei diesem Gig, der BritPop und Punk so wunderbar perfekt verbindet, dass man sich fragt, wieso eigentlich niemand vorher auf diese eigentlich doch nahe liegende Idee gekommen ist?



Nach nicht mal einer Stunde sind Shame mit ihrem Set durch, aber den kürzesten Song ("Donk") ihres Debütalbum haben sie sich als Zugabe aufgehoben und so dürfen sich noch einmal ALLE sowieso schon schweiß- und biernassen Körper ineinander verkeilen und den heiligen Geist des Rock 'n' Roll an diesem Pfingstmontag empfangen. Amen.

Dann ist Schluss und ich gehe davon aus, dass jeder, der heute Abend hier war - wenn ihm oder ihr nicht der Himmel auf dem Kopf fällt - auch beim nächsten Gastspiel der Band am 12. Dezember im Kölner Luxor dabei ist.


Dienstag, 22. Mai 2018

QUICK & DIRTY: PARQUET COURTS / Wide Awake!

Published: 18.05.2018
Label: Rough Trade Records
Genre: AlternativeRock, IndieRock, PunkRock
Country: New York, U.S.A.



Members:
Andrew Savage, Austin Brown, Sean Yeaton, Max Savage

Es gibt einige Bands, bei denen sich mir nie die Frage stellt, ob ich mir das neue Album ungehört vorbestellen soll. Die PARQUET COURTS aus New York gehören seit ihrem zweiten Album "Light Up Gold"(2012) zu diesen Bands.

Die Band hat es seitdem geschafft, mit wenigen Alben einen unverkennbaren Sound zu etablieren, der irgendwo zwischen Talking Heads, The Clash und, The Stooges einzuordnen ist. Beim neuen Album "Wide Awake!" gilt es aber auf die alarmierenden Vorzeichen zu achten, denn niemand Geringerer als Danger Mouse wurde vom Quartett ins Boot geholt, um dem neuen Werk einen speziellen Schliff zu geben- und wer die gefährliche Maus und ihre Produktionen kennt, der weiß, dass Brian Burton immer eine deutliche Handschrift seines Schaffens hinterlässt.



Beim ersten kompletten Albumdurchgang fällt auf, dass das Album sehr abwechslungsreich ist, aber auch, dass die gefährliche Maus es wieder einmal geschafft hat, dass eine eigentlich für den Massengeschmack untaugliche Band sich in Sachen Zugänglichkeit deutlich bewegt hat. Sagen wir es so, noch nie war es einfacher für einen Mainstreamradiohörer, sich auf die Parquet Courts einzulassen.



Dass diese, nennen wir es neue Zugänglichkeit, nicht in Anbiederung mündet, ist die große zu bewerkstelligende Kunst eines von Danger Mouse produzierten Albums. Das gelang zuletzt grandios mit Portugal.The Man, kann aber, wenn die Band über nicht genügend kreatives Potential verfügt, wie im Falle von U2, auch ganz böse in die Hose gehen. Die Parquet Courts verfügen über dieses Potential, weswegen man bei "Wide Awake!" schon gut hinhören muss, damit man das Händchen von Danger Mouse heraushört.

Aber die Produktion ist nur das Sahnehäubchen des Albums, denn das Famose ist die fantastische Mannigfaltigkeit, die das New Yorker Quartett auf ihrem sechsten, je nach Zählweise auch fünftem  Album offeriert.

Das Album beginnt mit dem Clash-Gedächtnisrocker "Total Football", rückt dann bei "Violence" eine vorwitzige Doors-Gedächtnis-Orgel ins Zentrum, zu der Andrew sich wütend auslässt als sei er der dritte Sleaford Mods.

Es gibt hymnischen Pop, der sich an den Melancholie geschwängerten Songs der Seventies orientiert ("Mardi Gras Beads") und direkt darauf wieder Stücke, die in der Indie-Disco für erhöhte Bewegung sorgen ("Almost Had to Start a Fight/In And Out of Patience"). Auf "Freebird II" wiederum sind es die sechziger Jahre, die man sofort assoziiert, vor dem geistigen Augemainfestiert sich Savage moves like Jagger, als dieser noch Hosen trug, die heutzutage wegen sexueller Belästigung nicht mehr tragbar sind.

Tatsächlich tendenziell in experimentelle Richtung geht die funky Nummer "Normalization" und bei "Back to Earth" tänzeln die Parquet Courts - wie die Broken Bells ;-)-  mit federleichtem IndiePop über den See der Melancholie. Der Gipfel ist aber der dem Album den Titel gebende Talking Heads-und-Beastie Boys-Gedächtnissong-in-einem "Wide Awake". Ja, auch diese Nummer gehört in jede Indie-Disco, am besten zwischen "Burning Down the House" und "Root Down".



Als vorletztes Stück gibt es dann eine Kneipen-Mitsing-Ballade ("Death Will Bring Change"), wie sie nur die Pogues noch schöner hinbekommen haben, ehe zum Schluss mit "Tenderness" ausgelassen getanzt werden darf.

Das Fazit dieser beeindruckenden Platte: Auch wenn am Ende alles nur sinnlos ist, es darf getanzt werden!

Tracklist:
01 Total Football
02 Violence
03 Before the Water Gets Too High
04 Mardi Gras Beads
05 Almost Had to Start a Fight/In And Out of Patience
06 Freebird II
07 Normalization
08 Back to Earth
09 Wide Awake
10 NYC Observation
11 Extinction
12 Death Will Bring Change
13 Tenderness

Freitag, 18. Mai 2018

INDT Made My Day! Barcelona (feat. Wavy Dem)!



 

INDT
Homepage: https://www.facebook.com/doyouknowindt/
From: Kiew, Ukraine


Liebe Kinder es gab mal eine Zeit, da waren Indie und HipHop richtig dicke Freunde! Wer es nicht glauben mag, darf sich ruhig den sagenumwobenen mystischen Soundtrack "Judgement Night" (1993) zulegen und sich verwundert die Augen reiben über Kollaborationen wie Pearl Jam und Cypress Hill.

Es ist also nicht der ganz neue Scheiß, den uns Danil Bogdanenko (Gitarre, Vocals), Vitaliy Koutsiuk (Bass), Ruslan Dobrov (Schlagzeug), Denys Rybchenko (Gitarre, Backing Vocals) aus Kiew präsentieren, aber die Zusammenarbeit mit Rapper Wavy Dem ist auf jeden Fall sehr geschmeidig.

INDT steht natürlich für Indytronics, so nannte sich die Band bei ihrer Grünung im Jahr 2012 ursprünglich, bis man dann wahrscheinlich merkte, dass diese Namensgebung im Google-Zeitalter keine gute Idee war. MADE MY DAY!