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Sonntag, 26. März 2017

ANORAQUE Made My Day! L I L A!


ANORAQUE
Homepage: https://www.anoraque.com/
From: Basel, Switzerland


Bevor sich alle notorischen Nörgler mit prüden Bemerkungen zum Clip äußern, sei darauf hingewiesen, dass man im Netz immer ganz einfach wegklicken kann. Blöd ist nur, dass man dann erstens einen verdammt guten Rocksong des Schweizer Quartetts um Sängerin Lorraine Dinkel zwischen MathRock und PostPunk verpasst und zweitens einen sehr ästhetischen, von
Evelinn Trouble konzipierten Videoclip. MADE MY DAY!

Samstag, 25. März 2017

NEW SONGS Vol. 151: PORTUGAL. THE MAN / Feel it Still ... WARM DIGITS / End Times ... HER'S / Speed Racer ... FLAMINGODS / Jungle Birds


PORTUGAL. THE MAN / Feel it Still

Fette 4 Jahre ist es her, seit PORTUGAL.THE MAN mit dem Album "Evils Friends" ihren verquerten psychedelischen IndieRock an die Zügel nahmen und mit mehr Groove unterlegten. Bei der Arbeit verfingen sich, laut eigener Aussage die Jungs aus Alaska in einer Sackgasse, denn die neuen Songs wollten sich einfach nicht zu einem neuen Album formen.

Aber nach dem Motto "Der Papa wird’s schon richten" half der Vater von Sänger John Gourley den Jungs wieder in die Spur in dem er von den guten alten Woodstock-Zeiten und den damaligen politischen Beweggründen erzählte.

Da dachte man sich dann wohl, aktueller als unter dem jetzigen US-Präsident Trump kann das Thema nicht mehr werden und entwickelte das in diesem Jahr erscheinende Album "Woodstock". Demzufolge zeigt die Singleauskopplung "Feel it Still" auch gleich welche Parole für Portugal. The Man 2017 gilt: Groove mit Botschaft!

Wer sich nicht entschließen kann, womit er sich dem Unsinn der gerade auf der Welt passiert entgegenstellt, dem sei das interaktive Musikvideo zu "Feel it Still" empfohlen, wo man versteckte Botschaften anklicken kann, um am Ende des Clips seinen personalisierten Auftrag für die Zukunft zu erhalten. Manchmal ist der Zeigefinger gar nicht so schlecht!




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WARM DIGITS / End Times

Lange keinen griffigen ElectroSynthiPop mehr gehabt, da kommt "End Times" vom aus Newcastle und Manchester stammenden Duo WARM DIGITS gerade richtig. Apokalypse Disco für den Untergang!

Mit an Bord beim Songwriting waren die alten Bekannten von Field Music, außerdem verdient sich deren Frontmann Peter Brewis als Gastsänger, also kein Wunder, dass "End Times" nicht nur ordentlich pulsiert, sondern auch höllisch groovt.

Das Video ist übrigens echte Handarbeit, aus 16mm-Filmstreifen zusammengebastelt vom Filmkollektiv Film Bee aus Newcastle. Erfrischend Old School!




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HER'S / Speed Racer

Achtung ein Gute-Laune-Song! In etwa so, als würde man alte Beach Boys-Surfin-Songs auf einer LP mit 45 Umdrehungen pro Minute abspielen und eine Prise JanglePop darüberzuckern.

Warnung:
Kann schnell nerven, wenn es draußen regnet oder gar schneit, das Konto ins Minus rutscht, Trump seine komplette Amtszeit durchsteht, der Nachbar den Laubbläser anwirft, der Postbote das Vinyl in den Briefkasten biegt oder einfach nur Montag ist! Dann den Song des Duos HER'S aus Liverpool lieber erst mal auf Eis legen - mit Wodka.




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FLAMINGODS / Jungle Birds

Ich weiß ja auch nicht, was mit mir los ist, aber auch der letzte Song in dieser Reihe ist kein echter Miesepeter. Es tut mir leid - vielleicht ist ja schon Sommer?

"Jungle Birds" ist ein nicht mehr ganz taufrischer Song des in Bahrain gegründeten und sowohl dort, als auch in Großbritannien, musizierenden Quintetts FLAMINGODS. Im Pressetext zum Song steht "If Dead Can Dance and TV On the Radio had a baby, it would be Flamingods." Und ich finde, da hat die Promotionabteilung ziemlich gut hingehört, um den exotisch psychedelischen Sound in Worte zu fassen.

Der Song ist auf "Majesty", dem dritten Album der Band, das im Juni des letzten Jahres veröffentlicht wurde. Im Mai erscheint die neue, vier Stücke enthaltende, EP "Kewali" von der man auf Bandcamp bereits den Titelsong vorab hören kann.




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Donnerstag, 23. März 2017

SAMANTHA CRAIN / You Had Me at Goodbye

Das fünfte Album der Songwriterin mit indianischen Wurzeln ist ein wegweisendes. Erstmals integriert SAMANTHA CRAIN in ihre bisher immer sehr minimalistischen Folksongs aufwendigere Arrangements und schielt über Genregrenzen hinweg. Schon die vorab veröffentlichte Single "Oh Dear Louis" war sehr ungewöhnlich, denn es ist wahrhaftig die erste Crain-Numer zu der man beschwingt tanzen kann!


Die Songs für "You Had Me at Goodbye" schrieb sie laut eigener Aussage in ihrem Heim in Oklahoma innerhalb von nur vier Monaten, wenn sie nicht gerade in einer Pizzeria jobbte, um Geld für ihr "Full Time Hobby" zu verdienen. Einerseits liebt sie ihre Heimat, die Natur, die kreativen Menschen mit denen sie in Berührung kommt, aber andererseits missfällt ihr die oftmals sehr konservative Denkweise der Bevölkerung, sodass sie im Bezug auf ihre Heimatgefühlen sehr zerrissen ist.

Im Gegensatz zu ihren Lyrics merkt man ihrer Musik diese Zerrissenheit aber nur sehr selten an, denn Samantha ist eine Songwriterin mit einem begnadeten Händchen für herzerwärmende Melodien. Dass Samanthas Texte, auch wenn sie noch so banal aus dem Leben berichten, immer hintersinnig und von feinem Humor geprägt sind, sollte sich nachzu ihrem fünften Album langsam aber sicher herumgesprochen haben.

Auch auf "You Had Me at Goodbye" ist dieses Talent, neben ihrer unverkennbaren und sehr eindringlichen Stimme, das Salz in der Suppe. Oder um auf ihren Nebenjob anzuspielen, der Grundbelag auf der Pizza. Der Belag ist zwar bunter, aber der Teig genauso knackig, und wie jeder weiß, ist der Teig das Entscheidende bei einer Pizza!



Nehmen wir die neuen Zutaten unter die Lupe. Beim frühlingshaft federleichten Albumopener "Antiseptic Greeting" bestätigt sich die These, dass Samantha will, dass wir tanzen - oder zumindest fröhlich mitwippen. Danach folgt "Oh Dear Louis", dem ich ja schon eine ordentliche Dosis Pop attestiert habe. Feine Kost!

Song Nummer 3 "Loneliest Handsome Man" zeigt die "alte" Samantha Crain. Ein Song voller schwermütiger Melancholie, Geigen und mit einem Augenzwinkern. Tanzen kann man dazu allerhöchstens Klammerblues auf einer Beerdigung. Pizza Traditionale!



Das rhythmusbetonte "Wise One" ist für Fans ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig, denn hinter dem omnipräsenten Tenorsaxofon verstecken sich temporär sogar einige disharmonische Töne. Bei "Red Sky, Blue Mountain" singt Samantha erstmals in der Sprache ihrer Vorfahren der Choctaw. Was sich ziemlich fernöstlich anhört, erzählt davon wie wichtig ist es, dass wir unsere Erde pflegen. Pizza Naturale!

Ja, auch fiepsende und brummende Elektronik gibt es auf dem neuen Album! Bei "Smile When" wagt Samantha den Schritt in Richtung ArtPop, wäre da nicht die prägnante Stimme, man würde, weiß der Herrgott wen, hinter diesem Stück vermuten. Pizza Extravaganza!

Eher Kammer- als ArtPop ist die Ballade "Betty's Eulogy", nach den ersten Durchläufen finde ich das Stück mit den süßen Streicherarrangements eher etwas belanglos, aber das ändert sich bei Crain-Platten (zumindest bei mir) schon mal schnell. Pizza Surprise!

Dann verliert Samantha bei "Windmill Crusader" den roten Faden, der sich sonst durch ihre Kompositionen und Arrangements zieht - oder aber Produzent John Vanderslice (Spoon, Strand Of Oaks) hatte zu sehr die Finger im Spiel - auf jeden Fall nervt mich hier sowohl das hintergründige Gefiepse als auch Samanthas Gesang mit viel zu viel Uuuuuh und Lalala. Wie Pizza Hawai - nicht mein Fall.

Bei der verhuschten Orgel- und Klavierballade "When The Roses Bloom Again" steht alles auf Moll und auch hier lässt sich kammermusikalischer Anspruch erkennen. Auch hier wirkt mir alles etwas zu angestrengt, zu konstruiert - ich hoffe, Vanderslice hat Schuld. Pizza Tragedia!

Der Schlusssong "Wreck" stimmt versöhnlich. Samantha ist wieder in ihrem Element und alles ist gut. Pizza Nazione!

Insgesamt ein nicht rundum gelungenes Album. Die neue poppige Samantha gefällt mir gut, aber mit ihren Ausflügen in Richtung Kammermusik verliert Samantha ihren spröden Charme, der sie sonst spielend durch ihre Songs trägt. Liebe Samatha nicht so viel Kopf, mehr Bauch, das ist dein Ding!

Trotzdem sehr schade, dass die Künstlerin, die es sich live zu erleben auf jeden Fall lohnt, auf ihrer Tour in diesem Jahr nur einen Halt in Deutschland macht - natürlich in Berlin.

Tracklist:
01 Antiseptic Greeting
02 Oh Dear Louis
03 Loneliest Handsome Man
04 Wise One
05 Red Sky, Blue Mountain
06 Smile When
07 Betty's Eulogy
08 Windmill Crusader
09 When The Roses Bloom Again
10 Wreck